Einblicke · Prozesse
Die Reihenfolge der KI-Projekte


Wer mehrere Ideen für KI hat, muss entscheiden, welche zuerst umgesetzt wird. Dafür werden alle Ideen nach Wirkung und Machbarkeit verglichen.
In vielen Unternehmen gibt es mehr Ideen für KI, als sich gleichzeitig verwirklichen lassen. Mitarbeitende schlagen vor, was ihnen im Alltag auffällt, zum Beispiel die Mails im Support oder die Recherche vor einem Angebot. Schnell stehen 15 Ideen auf der Liste, manchmal 25. Zu jeder gibt es jemanden, der sie eingebracht hat. Offen ist, welche davon zuerst umgesetzt wird.
Einzeln geprüft
Naheliegend ist, jede Idee für sich zu prüfen. Fällt die Aufgabe regelmäßig an, und lässt sich der Aufwand beziffern? Bei den meisten Ideen lautet die Antwort ja. Nach der Einzelprüfung steht deshalb fast die ganze Liste noch da. Welche Idee zuerst an der Reihe ist, steht damit noch nicht fest.
Zwei Fragen für alle
Eine Reihenfolge entsteht im Vergleich. Dafür werden zu jeder Idee dieselben zwei Fragen gestellt: Wie viel bringt die Idee, wenn sie zuverlässig läuft? Und wie realistisch ist es, sie mit den Daten und Zugängen zu implementieren, die es heute gibt?
Aus den Antworten ergibt sich eine erste Ordnung. Ideen, die viel bringen und sich realisieren lassen, stehen oben auf der Liste. Ideen, die viel bringen, aber heute noch an fehlenden Daten oder Zugängen scheitern, bleiben auf der Liste und warten. Ideen, die bei beiden Fragen schwach abschneiden, fallen weg.
Das Streichen ist der schwierigste Teil. Hinter jeder Idee steht eine Kollegin oder ein Kollege, die oder der sie eingebracht hat.
Gemeinsame Voraussetzungen
Danach lohnt ein zweiter Blick auf die Liste. Oft brauchen mehrere Ideen dieselben Voraussetzungen, zum Beispiel den Zugriff auf dasselbe Postfach oder dieselbe Freigabe durch die Datenschutzbeauftragte. Die Idee, die als erste realisiert wird, muss diese Vorarbeit komplett leisten. Jede weitere findet sie schon vor und kostet deshalb deutlich weniger.
Ein Beispiel aus der Praxis ist der Mail-Eingang. In vielen Unternehmen landen die Mails von Kund*innen in einem zentralen Postfach. Dort werden sie vorsortiert und an die zuständigen Abteilungen verteilt. Für diesen Mail-Eingang gibt es zwei Ideen. Bei der ersten liest die KI jede Mail, ordnet sie zu und leitet sie weiter. Bei der zweiten schreibt die KI zu jeder Mail gleich einen Antwortentwurf. Dafür muss sie wissen, was zu diesem Vorgang bisher gelaufen ist, und braucht Zugriff auf die Vorgangshistorie im System.
Die zweite Idee bringt mehr. Den Zugriff auf die Vorgangshistorie gibt es aber noch nicht. Die erste Idee braucht nur das Postfach. Ist sie fertig, ist das Postfach angebunden. Die zweite Idee kann später darauf aufbauen. Deshalb steht die erste Idee vorn, obwohl sie für sich genommen weniger bringt.

Das Ergebnis
Am Ende steht eine Reihenfolge, die sich begründen lässt: welche Idee als nächste angegangen wird und welche vorerst wartet. Fragt jemand im nächsten Quartal, warum die eigene Idee noch nicht an der Reihe war, gibt es darauf eine sachliche Antwort.
