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Einblicke · Prozesse

Arbeitsteilung mit der KI

21.09.2026 · 4 Min Lesezeit

Ein Newsletter lässt sich in fünf Schritte zerlegen, die die KI nacheinander erledigt, während du an zwei Stellen selbst entscheidest. Manche Arbeit zwischen den Schritten erledigt eine einfache Automatisierung besser als die KI.

Angenommen, jeden Donnerstag geht ein Newsletter mit vier kurzen Beiträgen raus. Die erste Idee liegt nahe: die Themen der Woche in einen Chat kopieren und die KI bitten, daraus den Newsletter zu schreiben. Ein paar Sekunden später steht ein fertiger Text da, und er liest sich wahrscheinlich gar nicht so schlecht.

Auf dem Weg zu diesem Text hat die KI viele Entscheidungen getroffen. Sie hat festgelegt, welches Thema oben steht und welche Informationen in die Beiträge kommen. Auch den Ton und das, was wegfällt, hat sie bestimmt.

Von diesen Entscheidungen siehst du nichts, du siehst nur den fertigen Text. Das wird zum Problem, sobald dir etwas nicht gefällt. Dann musst du herausfinden, woran es liegt. Hat die KI die falschen Themen ausgewählt? Oder hat sie die richtigen Themen schlecht aufgeschrieben? Am fertigen Text ist das oft schwer zu erkennen.

Die Reihenfolge

Ohne KI entsteht ein Newsletter selten in einem Zug. Zuerst werden Themen gesammelt und ausgewählt, danach wird geschrieben und gegengelesen. Meistens steht diese Folge nirgends, weil alle Beteiligten sie im Kopf haben. Wer sie aufschreibt, sieht, an welchen Stellen die KI helfen kann.

Mit KI lässt sich die Arbeit entlang dieser Reihenfolge teilen. Die KI bekommt jeden Schritt als eigenen Auftrag und liefert jeweils ein Zwischenergebnis. An den Stellen, an denen es darauf ankommt, schaust du drauf, bevor es weitergeht.

Fünf Schritte

Für den Newsletter kann das so aussehen:

  1. Die KI sammelt Themen, die für diese Woche infrage kommen, und notiert zu jedem die Quelle. Das Ergebnis ist eine Liste.
  2. Aus der Liste wählt sie vier Themen aus und schlägt eine Reihenfolge vor, mit einem Satz Begründung pro Thema.
  3. Sie schreibt die vier Beiträge, ausschließlich zu den Themen aus Schritt 2.
  4. Sie prüft den Entwurf gegen deine Vorgaben, etwa die Länge oder die Regel, dass zu jeder Zahl eine Quelle genannt wird, und listet auf, wo etwas nicht passt.
  5. Sie überarbeitet die Stellen, die du aus dieser Liste zur Korrektur freigegeben hast.

Jeder dieser Schritte hat nur eine Aufgabe. Am Ende jedes Schritts liegt ein Ergebnis vor, das du dir ansehen kannst.

Warum das wichtig ist, zeigt das Gegenbeispiel: Sammelt die KI die Themen und schreibt sie gleich auf, entscheidet sie beim Schreiben nebenbei, welche Themen in den Newsletter kommen. Diese Entscheidung bekommst du dann wieder nicht zu sehen.

Zwei Haltepunkte

Die KI erledigt die Schritte nacheinander. An zwei Stellen hält sie an und wartet auf dich.

Die erste Stelle ist die Auswahl der Themen in Schritt 2. Hier entscheidest du, welche vier Themen in den Newsletter kommen und in welcher Reihenfolge. Das lohnt sich, weil alle weiteren Schritte auf dieser Auswahl aufbauen. Du musst dafür nur vier Zeilen lesen. Und du kannst korrigieren, bevor die KI den ersten Beitrag schreibt.

Die zweite Stelle ist die Liste aus Schritt 4. Darin steht, wo der Entwurf von deinen Vorgaben abweicht, zum Beispiel bei einem Beitrag, der zu lang ist. Nicht jede Abweichung ist ein Fehler, manchmal ist ein Beitrag bewusst länger. Deshalb entscheidest du, welche Punkte die KI korrigieren soll.

Bevor der Newsletter rausgeht, liest du ihn ohnehin noch einmal selbst. Das würdest du auch tun, wenn eine Kollegin ihn geschrieben hätte.

Die fünf Schritte des Newsletter-Workflows.
Die fünf Schritte des Newsletter-Workflows.

Schritte ohne KI

Zwischen den fünf Schritten gibt es noch Arbeit, die leicht übersehen wird. Jedes Zwischenergebnis muss gespeichert werden, damit der nächste Schritt damit weiterarbeiten kann. Und bevor die nächste Ausgabe beginnt, müssen die Dateien der Vorwoche weg. Sonst arbeitet die KI womöglich mit den alten Themen weiter.

Bei diesen Aufgaben muss niemand nachdenken oder abwägen. Es passiert jedes Mal dasselbe. Das kann ein einfaches Programm übernehmen, das Dateien nach festen Regeln speichert und löscht. Die KI wäre hier sogar schlechter geeignet, denn sie antwortet auf dieselbe Anfrage nicht jedes Mal gleich. Beim Speichern von Dateien soll aber jedes Mal dasselbe passieren.

Manchmal stecken beide Arten von Aufgaben in einem einzigen Schritt. Ein Beispiel ist die Prüfung in Schritt 4. Ob ein Beitrag zu lang ist, lässt sich durch Zählen der Zeichen feststellen, und das schafft ein einfaches Programm. Ob zu jeder Zahl eine Quelle angegeben ist, lässt sich nicht zählen. Eine Jahreszahl braucht keine Quelle, ein Marktanteil schon. Um das zu unterscheiden, muss jemand den Text lesen und verstehen. Diesen Teil kann die KI übernehmen.

Fehlersuche

Mit dieser Aufteilung liegen die wichtigen Entscheidungen wieder bei dir. Gefällt dir eine Ausgabe nicht, musst du den Fehler nicht im fertigen Text suchen. Du gehst die Zwischenergebnisse durch und findest den Schritt, an dem es gehakt hat.