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Damit es nicht nach KI klingt - Teil 4

27. Februar 2026

Im ersten Teil dieser Serie haben wir gesehen, dass die Humanizer nur bedingt etwas bringen. Im zweiten Teil haben wir die KI-Detektoren kennengelernt, die Muster in Texten identifizieren, die nach KI klingen. Wer den Workflow aus dem dritten Teil konsequent durchzieht – Texte erstellen, prüfen, redigieren, Muster erkennen, Regeln notieren – hat irgendwann eine wachsende Sammlung an Beobachtungen: Welche Wörter landen immer im Papierkorb? Welche Satzmuster wirken unnatürlich? Was klingt nach der eigenen Marke, was nicht?

Jetzt geht es darum, aus dieser Sammlung ein Dokument zu machen, das die KI bei jedem Text verlässlich anwenden kann.

Die vier Kategorien einer praxistauglichen Brand Voice

Statt ein langes Dokument zu schreiben, sortierst du die gesammelten Regeln in vier Kategorien ein:

  • Tonalität beschreibt, wie sich Texte anfühlen sollen, und zwar nicht als vage Adjektive, sondern als konkrete Entscheidungen: Wird geduzt oder gesiezt? Gendern, und wenn ja, wie? Wie direkt ist die Ansprache, wie ist der Umgang mit sensiblen Themen? Ein Beispiel: „Wir duzen immer, außer in Pressemitteilungen. Wir gendern mit * in allen Texten außer in Zitaten."
  • Syntax regelt, wie Sätze gebaut sein sollen. Hier landen die Erkenntnisse aus der Arbeit mit den Detektoren: Satzlängen variieren oder eher gleichmäßig? Aktiv statt Passiv als Grundregel? Konkret könnte das so aussehen: „Satzlängen variieren – ein kurzer Satz darf allein stehen. Kein Satz beginnt mit ‚Darüber hinaus', ‚Zudem' oder ‚Des Weiteren'."
  • Verbotene Formulierungen ist die Liste der Wörter und Muster, die immer wieder gestrichen werden. Sie wächst mit der Anzahl der Redigier-Durchgänge. Typische Einträge: „maßgeschneidert", „innovativ", „ganzheitlich", „nicht nur … sondern auch", Dreiergruppen wie „schnell, effizient und zuverlässig".
  • Gewünschte Formulierungen und Muster ist die Gegenliste: Was soll stattdessen stehen? Konkrete Zahlen statt vager Aussagen, echte Beispiele statt allgemeiner Behauptungen. Statt „KI steigert die Effizienz" lieber „Das Team hat die Bearbeitungszeit von sechs auf zwei Iterationen reduziert."

Wo die Brand Voice hingehört

Eine Brand Voice, die auf dem Laufwerk liegt, nützt der KI gar nichts. Sie muss dort eingebunden sein, wo Texte entstehen. In ChatGPT gibt es dafür drei Optionen:

  • Custom Instructions (Individuelle Hinweise) eignen sich für einen einheitlichen Stil, der grundsätzlich bei allen Texten gelten soll. Du erreichst sie über das Profilmenü → „Personalisierung" → „Individuelle Anweisungen". Wichtig: In denselben Einstellungen finden sich weitere Auswahlfelder – etwa für Antwortlänge, Format oder Schreibstil. Diese Felder sind praktisch, können aber mit der Brand Voice kollidieren. Wer dort einen Tonfall aktiviert hat, der nicht zu den eigenen Vorgaben passt, bekommt widersprüchliche Ergebnisse. Vor dem Hinterlegen lohnt sich deshalb ein Blick auf alle aktiven Einstellungen – und gegebenenfalls ein Reset auf neutral.
  • Projekte eignen sich, wenn verschiedene Marken, Produkte oder Kommunikationsbereiche unterschiedliche Stilvorgaben brauchen. Ein neues Projekt lässt sich über die linke Seitenleiste anlegen, die passende Brand Voice wird bei "Quellen" hochgeladen. Alle Chats innerhalb dieses Projekts erhalten diese Anweisungen automatisch.
  • Eigene GPTs sind die aufwendigste, aber auch verlässlichste Option und eigenen sich besonders dort, wo mehrere Personen mit denselben Stilvorgaben arbeiten. Über „Erkunden" → „Erstellen" legst du ein GPT an, das ausschließlich nach den hinterlegten Vorgaben arbeitet. In das Feld  "Hinweise" trägst du die vollständige Brand Voice ein. Du kannst zusätzlich Beispieltexte hochladen. Ein GPT hat einen festen Ausgangspunkt und verändert sein Verhalten nicht durch den Gesprächsverlauf – das macht es besonders geeignet, wenn Konsistenz über viele Texte und mehrere Personen hinweg entscheidend ist.

Wie es weitergeht

Die Brand Voice verändert grundlegend, wie schnell du gute statt generischer Ergebnisse erhältst. Du schreibst nicht mehr gegen KI-Muster an, sondern trainierst sie heraus. Doch eine Brand Voice ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Sie ist ein lebendes Dokument, das sich weiterentwickelt. Und das sollte auch die KI immer wieder erfahren.
 

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