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Damit es nicht nach KI klingt - Teil 3

20. Februar 2026

Im ersten Teil dieser Serie haben wir gesehen, dass die Humanizer nur bedingt etwas bringen. Im zweiten Teil haben wir die KI-Detektoren kennengelernt, die Muster in Texten identifizieren, die nach KI klingen. Jetzt geht es darum, aus diesen Erkenntnissen eine Stil-Anleitung zu entwickeln.

Lernen durch Iteration

Die Muster, die bei der Arbeit mit KI-Detektoren auffallen, sammelst du und machst daraus Regeln. Diese Regeln fasst du in einem Prompt zusammen, einer Stil-Anleitung, die du über mehrere Texte hinweg aufbaust und verfeinerst. Das Ziel ist kein perfektes Dokument nach dem ersten Versuch, sondern ein System, das verlässlich funktioniert und mit deinen Erfahrungen wächst.

Der praktische Workflow

1. Mit vorhandenen Regeln starten: Die meisten Unternehmen und Agenturen haben bereits Brand-Voice-Dokumente oder Corporate-Language-Guidelines. Die sind ein guter Startpunkt, aber reichen meist nicht aus.

Warum? Weil sie oft für Menschen geschrieben sind, die den Kontext kennen. Formulierungen wie „authentisch kommunizieren" oder „auf Augenhöhe" sind im Team klar, für eine KI aber zu vage. Auch implizite Regeln („Wir duzen generell, außer in Pressemitteilungen") stehen selten explizit da.

Die vorhandenen Regeln KI-tauglich machen. Das heißt:

  • Vage Begriffe konkretisieren: Statt „freundlich, aber professionell" → „Duzen. Kurze Sätze. Keine Marketing-Floskeln."
  • Implizites explizit machen: „Wir gendern mit * in allen Texten außer in Zitaten."
  • Konkrete Beispiele ergänzen: „Vermeide: 'innovative Lösungen'. Nutze stattdessen: konkrete Produktnamen oder Zahlen."

Wer noch keine Regeln hat, startet mit 3 bis 5 Beobachtungen aus der Arbeit mit den Detektoren.

2. Die Anleitung hinterlegen: Je nach Arbeitsweise gibt es verschiedene Optionen:

  • Als dauerhafte Einstellung (Custom Instructions bei ChatGPT / Style bei Claude) für wiederkehrende Anforderungen
  • Als projektbezogene Anleitung in einem GPT oder Project für unterschiedliche Kund*innen oder Marken
  • Direkt im Chat für einmalige oder seltene Anwendungsfälle

3. Texte erstellen lassen: Die KI bekommt wie gewohnt Thema, Zielgruppe, Format und Umfang plus die Stil-Anleitung.

4. Im Detektor prüfen: Kopiere den Text in ZeroGPT oder ein ähnliches Tool. Schau dir an:

  • den Score,
  • die markierten Stellen,
  • die Begründungen.

5. Redigieren und Muster erkennen: Jetzt liest du den Text mit fachlichem Blick und überarbeitest ihn. Wo klingt er nicht stimmig? Was würdest du anders formulieren? Dabei stellst du dir zwei Fragen: Einzelfall? Dann bleibt die Anpassung nur in diesem Text. Muster? Dann ergänzt du die Stil-Anleitung um diese Regel.

Beispiele für Muster:

  • Wenn du ein bestimmtes Wort (z. B. „maßgeschneidert") wiederholt streichst, gehört es auf die Verbotsliste.
  • Wenn Sätze zu gleichförmig sind, fügst du eine Regel zur Satzlängen-Variation hinzu.
  • Wenn Übergangswörter wie „darüber hinaus" ständig gelöscht werden, kommen auch sie auf die Liste.

6. Mit verschiedenen Texten testen: Mach das nicht nach einem Text fertig. Erst nach 5 bis 10 Durchläufen mit verschiedenen Themen und Formaten merkst du, welche Regeln greifen und welche du noch anpassen musst.

Was dieser Prozess bringt

Durch diese Iteration entstehen zwei Effekte: Der eigene Stil wird greifbar, nicht gefühlt, sondern in einem konkreten Regelwerk. Das hilft auch im redaktionellen Alltag jenseits von KI. Und es wird klar, welche Regeln die KI gut umsetzen kann und wo sie präzisere Anweisungen braucht. Manche Formulierungen funktionieren sofort, andere müssen mehrfach wiederholt oder anders ausgedrückt werden.

Ausblick auf Teil 4

Mit diesem Ansatz hast du ein funktionierendes System entwickelt. Im nächsten Teil zeigen wir, wie du die gesammelten Erkenntnisse professionell strukturierst: in eine Brand Voice mit klaren Kategorien für Tonalität, Syntax, verbotene und gewünschte Formulierungen – skalierbar für Teams und verschiedene Projekte.

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